Mittwoch, 18. Februar 2026

So bleibst du ab 60 in Bestform (Teil 2)

Wie in Teil 1 beschrieben, gibt es tatsächlich biologische Umbrüche in bestimmten Phasen des Lebens, die wir meist plötzlich und ziemlich deutlich zu spüren kriegen. Aber - und das ist die gute Nachricht - bestimmen die Gene nur etwa zu 25% die Art des Alterungsprozesses – den Rest haben wir selbst in der Hand. Allerdings müssen wir ins Tun kommen und aktiv an den richtigen Stellschrauben drehen. Gesundheit und Vitalität sind jetzt keine automatische Selbstverständlichkeit mehr wie in jungen Jahren. Wir müssen sie schon unterstützen.


Wie wir die „Regler“ auf Vitalität stellen:


Tägliche (!), sanfte Aktivität

Gehen, leichte Mobilisation, Tanzen oder Gartenarbeit fördern Durchblutung, Stimmung und Schlaf. Kurze, häufige Bewegungseinheiten sind dabei oft wirksamer als seltene intensive Belastungen. Also gerne morgens nach dem Aufstehen eine kleine Dehn-Einheit, mittags spazieren gehen, bei gutem Wetter Fahrrad fahren usw. und abends nochmal eine Runde um den Block. Das ist unverhandelbar! Täglich, mindestens 30 Minuten.

Kraftorientierte Bewegung (zusätzlich zur sanften Aktivität)

Regelmäßiges Krafttraining ist eine der effektivsten Maßnahmen gegen altersbedingte Veränderungen. Dabei geht es nicht um sportliche Leistung, sondern um die Erhaltung der funktionellen Alltagstätigkeiten wie Aufstehen, Treppensteigen, Griffkraft, Einkäufe tragen, Socken anziehen usw. Idealerweise macht man das Krafttraining unter Anleitung eines Trainers im Fitness-Studio. 

Aber auch daheim kann man mit einem Hantelset Krafttraining machen, es gibt zigfache Videos zu diesem Thema auf YouTube. Man sollte die Bewegungen langsam und kontrolliert ausführen und regelmäßig wiederholen. Es geht nicht darum möglichst viel Gewicht zu stemmen. 

Krafttraining wirkt positiv auf Muskeln, Knochen, Gleichgewicht, Stoffwechsel und Gehirn. Ich bin ehrlich, das ist für mich der unangenehmste Part, weil ich einfach lieber Ausdauer-Training mache. Aber ein bis zweimal pro Woche muss es jetzt aus Gesundheitsgründen halt sein.

Ernährung

- ausreichend Eiweiß zur Muskelerhaltung (ca. 1 g pro kg Körpergewicht)
- eine gute Flüssigkeitszufuhr (ca. 2 Liter pro Tag), auch wenn man keinen Durst
  hat). Zuckerfreie  Getränke (Wasser, Tee, in Maßen Kaffee) sind ideal. Ruhig mal
  ein Trinkprotokoll erstellen (es gibt auch kostenlose Apps dafür, z.B.
  die Gerolsteiner TrinkCheck-App oder Plant Nanny).
- ein bewusster Umgang mit Alkohol und Koffein
- Vitamin D und Vitamin B12 Spiegel beim Arzt bestimmen lassen und ggf.
  supplementieren. Beide Werte waren bei mir richtig schlecht, deswegen nehme
  ich nun beides als Nahrungsergänzung ein.

Das Immunsystem stärken

Das Immunsystem altert auch mit. Es reagiert deutlich langsamer und kann mit einem allgemein gesunden Lebenswandel gestärkt werden. Besonders wichtig ist hier die Darmgesundheit (70% der Immunzellen sitzen im Darm). Viele Ballaststoffe (und fermentierte Lebensmittel (Probiotika) eignen sich besonders.

Im höheren Lebensalter nimmt eine chronische, niedriggradige Entzündungsaktivität zu. Diese sogenannte inflammatorische Alterung kann Müdigkeit, Gelenkbeschwerden und verlängerte Erholungszeiten nach Infekten erklären.

Die Nieren: spülen und schonen

Die Nierenleistung nimmt im Alter leider auch ab, was viele gar nicht auf dem Plan haben. Um die Nieren zu unterstützen ist es auch hier wichtig, regelmäßig genügend zu trinken. Die Nieren filtern Schadstoffe aus.  Daher die Trinkmenge im Blick behalten. 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßter Tee sind Pflicht, um Giftstoffe auszuschwemmen.

Außerdem sollte man auf den Salzgehalt seiner Nahrungsmittel achten (wenig Fertigprodukte verwenden, nicht grundsätzlich nachsalzen). Die Niere hat die Aufgabe, überschüssiges Salz wieder auszuscheiden. Bei einer sehr salzreichen Ernährung muss die Niere ständig "Überstunden" machen, um das Natrium loszuwerden. Dieser Dauerstress erschöpft das Organ langfristig. 

Das Gehirn

Ab 60 geht es nicht mehr nur um Kreuzworträtsel. Wenn man das Gehirn wirklich fit halten möchte, sollte man etwas ganz Neues lernen (Sprache, Sportart, Instrument). Einfach mal raus aus den bekannten Verhaltensweisen, das zwingt die Synapsen, neue Wege zu bauen.

Soziale Kontakte sollten aufrecht erhalten werden, denn sie sind der beste Schutz vor Demenz. Ein Kaffeeklatsch ist quasi Gehirntraining! Wenn man gerne neue Kontakte finden möchte, dann gibt es inzwischen Apps wie "meet5", die dabei helfen können oder man schaut einfach mal ins Programm vom heimischen Turnverein. Da werden inzwischen häufig Kurse für Ältere angeboten. Man schlägt dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn man hat Bewegung und soziale Kontakte.

Schlaf

Schlaf ist wichtig für die Regeneration, aber auch der Schlaf wird ab 60 empfindlicher.  Regelmäßige Abendroutinen wie gleiche Schlafzeiten, bewusste Ruhephasen am Abend und Entschleunigung unterstützen die körperliche Regeneration.

************************************************************************************************************************************************

Das waren jetzt nur ein paar der Kategorien, die beim gesunden Älterwerden eine Rolle spielen - wenn auch durchaus wichtige. Aber jeder Mensch ist anders und hat somit seine eigenen "Baustellen". Je mehr man über das Thema weiß, desto mehr kann man bei sich selbst ansetzen und positive Veränderungen herbei führen. 

Eines der Bücher, das mich in letzter Zeit sehr beeindruckt hat, ist: „Der Longevity Kompass“ von Prof. Dr. Volker Limmroth und Dr. Gerd Wirtz.

Was ich daran schätze: Die beiden Autoren sind Mediziner und räumen mit vielen Mythen über das Altern auf. Sie erklären verständlich und ohne erhobenen Zeigefinger, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, um nicht nur länger, sondern vor allem gesünder zu leben.

Besonders das Kapitel über die geistige Fitness hat mir viele neue Impulse gegeben. Für mich ist es mittlerweile ein echtes Standardwerk für alle geworden, die ihre zweite Lebenshälfte aktiv und vital gestalten wollen. Falls ihr tiefer in die Materie eintauchen möchtet, findet ihr den "Kompass" hier. Macht Spaß, das zu lesen.


Link zum Buch



Sonntag, 8. Februar 2026

Die zwei Alterungsschübe im Leben einer Frau (Teil 1)

Das Jahr 2025 war für mich ein forderndes und zugleich augenöffnendes. Ich bin 60 geworden und genau an meinem Geburtstag hatte meine Tochter eine schwere Knie-OP, die uns das nächste halbe Jahr noch sehr beschäftigt hat. Deshalb (vielleicht auch gut so), habe ich diesem runden Geburtstag gar nicht soviel Bedeutung beigemessen. Danach hatte ich selber zwei Augen-OPs und war plötzlich damit konfrontiert, wie es ist, wenn eine wichtige Körperfunktion nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Bis alles richtig verheilt war und ich endlich wieder klar und deutlich sehen konnte, ging wieder einige Zeit ins Land. Dann bin ich zum ersten Mal Oma geworden und auch das war emotional ein sehr besonderes Ereignis. 


Jetzt finde ich mich in der Situation wieder, dass bald der nächste Geburtstag ansteht und ich noch nicht mal den letzten so richtig verinnerlicht habe. Das Thema "Älterwerden, Gesundbleiben" -  körperlich wie mental -  hat für mich mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert. Und auch wenn ich mal von einer Kollegin gehört habe "ab 50 geht's bergab", kann ich das für mich nicht behaupten. Im letzten halben Jahr dagegen bemerke ich deutliche Einschnitte was Energie, Leistungsfähigkeit, Hautzustand und noch einiges mehr betrifft. Ich habe sehr viel recherchiert und gelesen, denn ich gebe mich nicht mit diesem Zustand zufrieden. Und da bin ich auf wirklich spannende Erkenntnisse gestoßen, die einiges erklären. Die würde ich gerne mit euch teilen:

Altern verläuft nicht gleichmäßig. Bei Frauen zeigen sich im Lebensverlauf zwei Phasen, in denen körperliche Veränderungen gebündelt auftreten – man kann tatsächlich von zwei biologischen Schüben sprechen. Der erste wird häufig rund um die Menopause (oft schon ab Mitte 40) erlebt, der zweite deutlich später, etwa ab dem 60. Lebensjahr. Während über den ersten viel gesprochen wird, bleibt der zweite oft erstaunlich unbeachtet – obwohl er den Alltag spürbar verändert. Es ist also keine "Einbildung", wenn man sich ziemlich plötzlich ziemlich älter fühlt.


*********************************************************************************************************************************************

Wissenschaftliche Grundlage

Die beschriebenen Alterungsschübe und körperlichen Veränderungen sind wissenschaftlich gut belegt. Sie basieren unter anderem auf:
  • großen Langzeitstudien zur biologischen Alterung
  • hormon- und stoffwechselmedizinischer Forschung
  • Erkenntnissen aus der Geriatrie und Altersmedizin
*********************************************************************************************************************************************

Der erste Schub: ab Mitte 40 – eine kurze Einordnung

Der erste Alterungsschub steht in engem Zusammenhang mit den hormonellen Veränderungen rund um die Menopause. Sinkende Östrogenspiegel beeinflussen  Gewicht, Stimmung, Stresstoleranz sowie Haut und Haare. Diese Phase ist für viele Frauen herausfordernd, aber inzwischen gut beschrieben und vor allem gesellschaftlich relativ präsent.

Der zweite Alterungsschub: ab etwa 60 Jahren


Der Alterungsschub um die 60 ist eine Verdichtung mehrerer Prozesse, die schon länger begonnen haben, sich jetzt aber gleichzeitig auswirken.

1. Hormonelles Gleichgewicht:

Noch Jahre nach der Menopause wirken niedrige Östrogenwerte weiter. Östrogen hatte zuvor eine schützende Funktion: für Gefäße, Knochen, Muskeln, Gehirn und Haut. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand fehlt dieser Schutz immer deutlicher. Regeneration verlangsamt sich, Entzündungen entstehen leichter, Gewebe wird weniger elastisch.

2. Muskelabbau und Kraftverlust

Ab etwa 60 beschleunigt sich der natürliche Abbau von Muskelmasse. Dieser Prozess – oft unbemerkt – hat weitreichende Folgen:
  • langsamerer Stoffwechsel
  • geringere Alltagskraft
  • schlechteres Gleichgewicht
  • höheres Sturzrisiko
3. Knochen, Gelenke und Stabilität

Parallel zum Muskelabbau nimmt auch die Knochendichte weiter ab. Gelenke werden anfälliger, Bewegungen fühlen sich „unsicherer“ an. Viele Frauen berichten über ein diffuses Gefühl von Instabilität oder Unsicherheit bei Alltagsbewegungen (z.B. beim Treppen steigen oder hinunter gehen).

4. Leber, Nieren und Entgiftung

Mit zunehmendem Alter arbeiten Leber und Nieren langsamer. Stoffe wie Alkohol, Koffein oder Medikamente werden verzögert abgebaut. Was früher problemlos vertragen wurde, führt nun schneller zu Schlafstörungen, Kreislaufproblemen oder Erschöpfung. Auch der Flüssigkeitshaushalt wird empfindlicher – Dehydrierung entsteht schneller, oft ohne starkes Durstgefühl.

5. Gehirn und Nervensystem

Die Reizverarbeitung im Gehirn verlangsamt sich. Multitasking wird anstrengender, Lärm oder Zeitdruck wirken schneller überfordernd. Der Schlaf wird leichter und fragmentierter. Das bedeutet nicht automatisch geistigen Abbau, sondern eine Veränderung der neurologischen „Taktung“.

6. Das Immunsystem und stille Entzündungen

Im höheren Alter nimmt eine Form chronischer, niedriggradiger Entzündungen zu. Diese sogenannte stillen Entzündungen können Müdigkeit, Gelenkbeschwerden oder längere Erholungszeiten nach Infekten erklären. Das Immunsystem reagiert weniger flexibel, nicht unbedingt schwächer – aber langsamer.

Liest sich schon ein bisschen gruselig. In wievielen Punkten erkennt ihr euch? (ich bin ehrlich, ich finde mich bei allen 6 Punkten irgendwie wieder).

Die gute Nachricht: Das alles ist (noch) keine Katastrophe. Auch jetzt kann man noch vieles selbst beeinflussen und verbessern. Das bedeutet jetzt aber definitiv, dass wir ins Handeln kommen müssen. Was bislang noch, mehr oder weniger,  von selbst funktioniert hat, muss aktiv unterstützt werden.

Der Alterungsschub ab 60 ist kein abruptes Ende körperlicher Leistungsfähigkeit, sondern ein Übergang in eine andere körperliche Logik. Immer schnelleres Tempo verliert an Bedeutung, während Stabilität, Kraft und Regeneration wichtiger werden. 

Viele Frauen erleben diese Phase – bei entsprechender Anpassung – als körperlich ruhiger, geistig klarer und selbstbestimmter als erwartet.

Neugierig geworden? 

Dann freue dich auf Teil 2 dieser Reihe, in der ich die konkreten Maßnahmen vorstelle, die man ergreifen kann, um den natürlichen Alterungsprozess positiv zu beeinflussen.

- coming soon - 






Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...