Samstag, 4. Oktober 2014

Freitag - Frauentag, tolle Ü40 Frauen, heute: Petra Gerster

Meine Freitags-Frau ist diese Woche eine Samstags-Frau, habe es nicht vorher geschafft.

Ich bewundere sie schon lange. Petra Gerster.




Geboren im Jahre 1955, sie heute 59 Jahre alt, die man ihr überhaupt nicht ansieht. Als Tochter eines Arztes kam schon früh Genuss einer humanistischen  Erziehung. Sie kämpfte bereits im Gymnasium für mehr Mitbestimmung der Schüler und sie interessierte sich früh für Politik. Sie studierte die ungewöhnliche Kombination von Literaturwissenschaft und Slawistik und absolvierte einen Teil ihres Studiums auch in den USA und in Frankreich.

Ursprünglich wollte sie Lehrerin werden, aber ihr beruflicher Weg führte sie zum Fernsehen. 1989 übernahm sie die Moderation des Frauenmagazins "Mona Lisa", das zum damaligen Zeitpunkt neu und einzigartig in dieser Form war, und ab da wurde ich auf Petra Gerster aufmerksam. Sie moderierte Mona Lisa über 10 Jahre und bekam dafür den "Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis" (ein Preis für herausragenden Fernsehjournalismus).

Ich wollte mehr erfahren, über diese schöne und kluge Frau, die souverän und in ausgesprochen gutem Deutsch durch die Sendung führte.

1985 heiratete sie den Autor Christian Nürnberger, mit dem sie später mehrere Bücher schrieb. Das interessante an dieser Liebesgeschichte ist die Offenheit, mit der sich beide zu ihrem Kennenlernen bekannten: über eine Heiratsannonce. Das war damals sehr mutig, sich als prominente Fernsehfrau dazu zu bekennen, Heiratsannoncen bei der Partnerwahl überhaupt in Betracht zu ziehen. Heute wäre das schon weniger couragiert, aber vor ca. 30 Jahren sah das noch anders aus. Die beiden bekommen zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Aktuell ist Petra Gerster als Hauptmoderatorin der heute-Sendung um 19.00 Uhr zu sehen.

Was viele gar nicht so wirklich mitgekommen haben, ist die Tatsache, dass unsere deutsche Fernseh-Powerfrau, die wir so oft in den Nachrichten sehen, viele Jahre lang gegen einen Krebstumor im Rücken gekämpft hat. Nachdem der Tumor das erste Mal entfernt worden war, kam er nach neun Jahren wieder. Und wieder ging der Kampf gegen den Krebs von vorne los, mit Operation und Nachbehandlung und all dem Schrecklichen, was damit zusammenhängt. Besonders tragisch war, das Petra Gerster mittlerweile Mutter von 2 kleinen Kindern geworden war. Sie wollte nicht sterben und kämpfte mit großer Ausdauer und Energie.

Zitat: "Wenige Menschen auf der Welt werden sich daher mit vierzig schon so sehr auf ihren fünfzigsten Geburtstag gefreut haben wie ich: Denn ich wusste, wenn ich es bis dahin schaffe, ohne dass der Tumor wiederkommt, habe ich es überstanden. „Betrachten Sie sich als gesund“, sagt nun auch mein Chirurg und zweimaliger Lebensretter, Professor Tiling aus Köln."

Trotz ihrer gesundheitlichen Tragik und der vielen Kraft, die sie benötigte, gab Petra Gerster nicht auf. Im Gegenteil. Sie schrieb ihrer privaten Situation angepaßt  Erziehungsratgeber, in denen sie sich mit den nachlassenden Wertevorstellungen befaßt, denen unsere Kinder heute oft ausgesetzt sind. Wer soll denn die Erziehungsverantwortung tragen, wenn nicht die Eltern? In ihren Büchern setzt sie sich mit dem Vermitteln der richtigen Werte, dem Engagement der Eltern und evtl. Hilfe für überforderte Eltern auseinander. Sie zeigt auf, wie wichtig eine gesunde Sprachentwicklung für Kinder ist, wie sie ans Lesen und an Bücher herangeführt werden sollten und sie setzt sich wieder für mehr Struktur der Familie ein. Dabei ist sie keineswegs altmodisch, ganz im Gegenteil.  Werte- und Moralvorstellungen sind für sie wichtig und erstrebenswert, gerade wenn man Kinder erzieht.

Ich selbst habe ihr Buch "Stark für das Leben" mit grossem Interesse gelesen und konnte viel davon für meine eigenen Töchter mitnehmen.



Bei aller Intellektualität steht Petra Gerster aber mit beiden Beinen in der Wirklichkeit. Sie ist mittlerweile eins der ältesten "Frauen-Fernsehgesichter" und sie ist sich sehr bewußt darüber, dass dies eine hart umkämpfter Job ist. Die Konkurrenz schläft nicht und normalerweise sind die Moderatorinnen wesentlich jünger. Mit ihrer frappierenden Ehrlichkeit steht Petra Gerster dazu, dass sie sich die Lider hat straffen lassen. Viele andere Frauen würden, auf so etwas angesprochen "von guten Genen und viel Schlaf" usw. berichten.





2007 schreibt sie das Buch "Reiferprüfung - Die Frau von 50 Jahren".


Petra Gerster setzt sich in diesem Buch sehr persönlich mit dem Älterwerden auseinander. Von den Lebensentwürfen ihrer Mutter und Großmutter erzählt sie ebenso eindrücklich wie von ihrer eigenen Karriere in einer männerdominierten Welt. Sie geht nicht nur auf die Belastungen ein, die mit dem Weg in die zweite Lebenshälfte verbunden sind, das veränderte Körpergefühl etwa oder die Angst vor abnehmender Attraktivität, sondern auch auf neue Freiheiten.

Das wird wohl das nächste Buch sein, das ich mir zulegen werde.

Inzwischen ist sie eine Frau von "fast 60 Jahren", liest immer noch die Nachrichten vor und ist attraktiv wie eh und je. Ich hoffe sehr, dass sie noch lange unsere Nachrichtenlady bleiben wird und die Frauenquote im fortgeschrittenen Älter verstärkt. Außerdem bin ich gespannt, auf evtl. kommende Bücher und/oder Projekte.

Petra Gerster vereint für mich Intelligenz, Karriere, Bodenständigkeit und Attraktivität. Sie ist unheimlich sympathisch und sagt, was sie denkt.  Eine wirklich tolle Frau!








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